291. Fake Reductionism

291. Fake Reductionism

Leute die sich darüber beschweren, dass die Wissenschaft die Welt entzaubert, unterliegen Yudkowsky zufolge einer Art Denkfehler:

Sie verstehen die wissenschaftliche Erklärung nicht wirklich, sie können nicht Schritt für Schritt und mathematisch intuitiv verstehen, wie das in Frage stehende Phänomen (z.B. der “entzauberte Regenbogen” von Keats) entsteht. Wenn sie das könnten, würden sie die wissenschaftliche Erklärungen nicht mehr langweilig finden.

Nein, es scheint ihnen als ob Wissenschaft einem anderen Literatur-Genre angehört. Einem langweiligen, komplizierten und emotionslosen, wie sie in der Schule gelernt haben.  Es ist als ob die Tatsache, dass ein Phänomen wissenschaftlich erklärt werden kann, in “Hier gibt es nichts zu sehen. Der Rat der weisen Wissenschaftler hat beschlossen, dass dieses Phänomen langweilig und vollkommen natürlich ist” übersetzt wird.

Yudkowsky meint also, dass man wissenschaftliche Erklärungen genau so spannend findet wie übernatürliche, wenn man sich nur genug mit Wissenschaft beschäftigt und die wissenschaftlichen Erklärungen nachvollziehen kann.

Doch ich habe ein Problem mit Yudkowsky’s Interpretation. Die menschliche Psyche ist einfach dazu gemacht, Emotionen, soziale Interaktionen und ähnliches dramatischer zu finden als mathematisch-physikalische Erklärungen (den Grund liefert die evolutionäre Psychologie, und sollte offensichtlich sein). Nur atypische Personen wie Yudkowsky, die leicht autistisch veranlagt sind, interessieren sich mehr (oder auch nur in etwa gleich stark) für systematisch-mechanische Dinge als für Emotionen und dramatische Sachen.

Auch ich fände übernatürliche Phänomene spannender als normale Naturgesetze, durch die alles immer nach Plan läuft. Auch ich denke in gewisser Hinsicht, dass ein Phänomen weniger interessant wird, wenn es bereits wissenschaftlich erklärt ist. Auch ich würde lieber in einem “mysteriösen” Universum leben, das sich nicht vollkommen reduktionistisch erklären lässt und irgendwie “bewusst” ist, da beispielsweise alle Lebewesen durch eine Weltseele (Brahman im Hinduismus) verbunden sind und in diesem Urgrund letztlich in fundamentaler Harmonie leben.

Ist das ein “Bug meiner Psyche”? Was soll das überhaupt heißen? Auch Rationalisten können jede Nützlichkeitsfunktion haben, die sie wollen.

Und ich kann nicht sagen, dass die Lektüre von evolutionärer Psychologie oder von Signaling-Erklärungen (ganz zu schweigen von existentiellen Risiken) mich besonders glücklich gemacht hat. Es wäre mir auf jeden Fall lieber, wenn diese Erklärungen falsch wären. Manche Posts von Robin Hanson sind derart zynisch, sie würden wahrscheinlich den typischen Psychopathen verstören.

 

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