385. Possibility and Couldness

385. Possibility and Couldness

Die große Frage ist, warum die meisten Menschen denken, dass sie einen freien Willen haben. Wir wollen also die Frage “Haben wir einen freien Willen” auflösen, d.h. wir müssen uns überlegen, durch welche kognitiven Algorithmen dieses (prima facie) äußerst intuitive Konzept verursacht wird.

Ich mach mir einen Kaffee und trinke ihn. Aber ich hätte auch keinen trinken können, oder?

Was bedeutet dieses Wort “können” eigentlich genau? Können wir ‘rationales Tabu’ damit spielen? Können wir es definieren ohne ähnliche Wörter wie “möglich”, “könnten”, “in der Lage sein”, usw. zu verwenden?

Es wäre natürlich optimal, wenn der Leser mit Informatik und KI vertraut wäre. Aber zur Illustration reichen eigentlich zwei bestimmte Algorithmen, die “Vorwärtsverkettung” und die “Rückwärtsverkettung”.

Angenommen dein Zielzustand ist “Kaffee in der Tasse”, und dein Anfangszustand ist “Ich liege im Bett”. Man kann sich nun entweder überlegen wie man vom Anfangszustand  über die verschiedenen Zwischenschritte (z.B. “Aufstehen”, “Wasser kochen”, “Milch aus dem Kühlschrank holen”, usw.) zum Zielzustand gelangt. Das ist die Vorwärtsverkettung. Oder man könnte vom Zielzustand ausgehend in Gedanken die nötigen Zwischenschritte bis zum Anfangszustand durchgehen (=Rückwärtsverkettung).

Betrachten wir mal die Vorwärtsverkettung genauer. Wenn wir vom Anfangszustand einen gewissen Zwischenzustand A erreichen können, nennen wir A “erreichbar”. Und wenn von A aus B erreichbar ist, dann ist B auch vom Anfangszustand erreichbar. Erreichbarkeit ist also eine transitive Eigenschaft. Wenn wir dann immer weiter in Gedanken überlegen, ob z.B. C, D, usw. von A oder B aus erreichbar sind, werden unsere erreichbaren Zustände immer zahlreicher und falls wir schließlich von irgendeinem dieser Zwischenzustände den Zielzustand erreichen können, ist dieser somit auch erreichbar.

Dein Gehirn benutzt einen in Grunde genommen ähnlichen, wenn natürlich auch viel komplexeren Algorithmus, um Handlungen zu planen. Und wenn ein Zustand erreichbar ist, fühlt sich das von innen so an, also ob du zu diesem Zustand gelangen kannst. Wenn die Zustände “Kaffee trinken” und “keinen Kaffee trinken” beider erreichbar sind, fühlt es sich so an, also ob du sowohl Kaffee trinken, als auch keinen Kaffee trinken kannst.

Wenn nun jemand sagt, dass alles durch die Physik determiniert ist, hören die meisten nur “Alle Zustände bis auf einen sind erreichbar”, und das widerspricht unseren Intuitionen zutiefst. (Und ist natürlich auch falsch, wenn wir obige Definition von “erreichbar” verwenden.)

Aber die kognitiven Algorithmen repäsentieren nicht die Wirklichkeit, sie sind nur in deinem Kopf. Und somit verhält es sich mit Möglichkeiten genauso wie mit Wahrscheinlichkeitensie sind in deinem Verstand.

Du sagst dir also: “Ich könnte auf den Kaffee verzichten, wenn ich wollte.” Und dieser Satz ist in der Tat richtig! Wichtig ist hier aber die Phrase “Wenn ich wollte”. Denn, ob du nun den Kaffee willst oder nicht, wir durch deine Präferenzen festgelegt, d.h. durch deinen Gehirnzustand.

Das Endergebnis dieses Algorithmus’ ist zwar determiniert (wenn du eine “zeitlose Perspektive” einnimmst), aber du kannst dieses Ergebnis nicht wissen, ohne den Algorithmus vollständig ablaufen zu lassen! Nur dann weißt du, welche Handlung zu dem von dir favorisierten Zustand führt, bzw. ob der von dir gewünschte Zustand überhaupt erreichbar ist und du dich für eine Alternative entscheiden musst. (Und bevor wir uns missverstehen: Dieser Algorithmus ist nicht irgendein Algorithmus, er ist ein Teil von dir.)

Wenn man die obigen Definitionen verwendet sind die Sätze “Ich könnte keinen Kaffee trinken, wenn ich wollte” und “Es ist physikalisch unmöglich, dass ich keinen Kaffee trinke” vollkommen mit einander vereinbar. Es muss nur physikalisch unmöglich sein, dass du keinen Kaffee trinken willst.

Auch wenn alles physikalisch determiniert ist, solltest du also trotzdem über alle Entscheidungen sorgfältig nachdenken, denn du musst deine Planungs-Algorithmen auch benutzen, wenn du von deiner Intelligenz Gebrauch machen willst.

 

 

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